Homo Revolutionarens

In jedem bisherigen Zeitalter hat sich der denkende Mensch selber zu einem Wendepunkt seiner eigenen Geschichte erklärt.

In jedem bisherigen Zeitalter begannen so alle Anstrengungen, zu einer Neugestaltung der Gesellschaft im wesentlichen, mit der Änderung ihrer äußeren Form und ihrer Organisation.

Man nahm an, dass eine rationale Gesellschaftsstruktur mit Hilfe eines Systems von Belohnung, Strafe und Machtmanipulation eine relative Harmonie hervorbringen konnte.

Doch wurden diese periodischen Versuche, mittels politischer Experimente eine gerechte und friedliche Gesellschaft zustande zu bringen, durch menschlichen Eigensinn vereitelt.

Das uns Bekannte hat allzu vollständig versagt. Die Übel an denen wir leiden, haben ihren Sitz in den ureigensten Grundlagen menschlichen Denkens. Vernunft und Logik alleine sind dürftige Propheten. Um das Bild zu vervollständigen bedarf es der Intuition.

Wir warteten auf sie, wie der frühe Mensch auf den Blitz gewartet hat, um ein Feuer zu entfachen.

Es wird jedoch zunehmend offensichtlicher, dass die Ideen unserer Zeit nicht den notwendigen Impuls für die fehlende Revolution darstellen.

Was nun ?

Eine neue Revolution, die lediglich wieder das mentale Ancien Régim an die Macht bringt ?

Nein.

Doch unser Wissen um die Krankheit, ist unserer Weg zu Heilung. Wir müssen in das uns Unbekannte dringen. Der Zeitgeist richte sein Augenmerk auf einen Umschwung des Bewusstseins an sich, ohne auf das Fieber einer Krise warten zu müssen, denn geistige Transformation, kulturelle Innovation und emotionale Evolution stellen lediglich die natürliche Antwort auf eine Krise durch mentale Stagnation dar. 

Wir können nicht mehr darauf warten, das die Welt sich ändert, wir können nicht mehr auf Zeiten der erzwungenen Veränderungen warten, um uns mit ihnen zu ändern, wir können nicht auf eine Revolution warten, auf das uns der neue Verlauf mit trage.

Wir müssen unsere bekannten Dogmen und Postulate herausfordern, denn sie sind nicht nur ein Teil unserer Kultur, sie sind maßgebend. Wir alle sind ihnen gegenüber jedoch blind, wollen wir jedoch ergründen Was und Wieso es nicht funktioniert, so müssen sie grundlegenderen Perspektiven den Weg räumen. 

Geburt, Leben, Tod, Lernen, Gesundheit, Familie, Beziehungen, Religion, Wissenschaft, Kunst und Politik. 

Die Entdeckung eines neuen menschlichen Musters transzendiert die erwartete Erklärung.

Als Erben evolutionärer Reichtümer sind wir der Imagination, Invention und Erfahrungen fähig, die wir bis dahin lediglich flüchtig zu sehen bekamen. Indem wir zu den Wurzeln der Furcht und der Zweifel vordringen, können wir uns grundlegend ändern, denn eine neue Welt bedeutet einen neuen Geist.

Die Summe aller unserer Tage ist gerade unser Anfang.

Wir selbst sind die Zukunft.

Wir selbst sind die Revolution.

Das Ende vom Anfang naht

Trotz relativem evolutionärem Erfolges und ontologischer Solidität steht die Existenz vor der größten Belastungsprobe ihrer Geschichte.

Bei der Kabinettshauptversammlung im vergangenen Jahrhundert, erklärte die kosmische Regierung überraschend ihre Demission. Der komplette Ministerstab und der altehrwürdige Präsident des Universums erbaten ihren sofortigen Rücktritt aus der kosmischen Regierung. Der Präsident hatte sich hierbei, wie üblich in den letzten Äonen, von seinem Vizepräsidenten vertreten lassen, der auch die Abschiedserklärung vorgetragen hatte und war somit wieder nicht anwesend um ein Kommentar abzugeben.

Bereits in der Vergangenheit hatten vereinzelte Kabinettsmitglieder, wiederholt ihren Rücktritt erklärt, um dem Präsidenten eine Regierungsumbildung zu ermöglichen. Die jüngste Regierungsumbildung erfolgte vor dieser Kabinettshauptversammlung, nach dem die Menschheit vor circa 12.000, durch die Wahl Luzifers in die dortigen Regierungen, langsam im politischem Abseits landete.

Zahlreiche Appelle im Laufe der Regierungszeit der Partei Gottes für Frieden und Erleuchtung, an die intelligenten Existenzen des Universums, Verantwortung gegenüber dem Leben und ihrer eigenen Existenz zu übernehmen, liefen immer wieder ins Leere.

"Jede bisher verabschiedete Resolution, ob allgemein oder speziell, wurde entweder verhöhnt, missbraucht, umgedeutet oder gar ignoriert. Das Universum und all das Leben in ihm, werden so nicht regiert werden können. Auf Dauer funktioniert das Leben nicht mit einer Handvoll verantwortungsvoller Existenzen. Wir sehen deshalb keine andere Möglichkeit mehr als diese“, warb Jesus von Nazareth, der seit circa 2.000 Jahren als Vize- und Ministerpräsident mit an der Regierungsspitze steht, um Verständnis für diese Entwicklung.

Die anwesenden Intelligenzien wurden von dieser Entwicklung jedoch eiskalt erwischt. Bis auf einige wenige heftige und irritierte Wortbeiträge herrschte Sprach- und Ratlosigkeit.

"Dabei hatte es, bereits im Vorfeld, zahlreiche und klare Signale gegeben. Die Latenzphase ist bereits seit Jahrhunderten vorbei", wunderte sich der Erleuchtungsminister Siddhartha Gautama. Diese seien aber ganz offensichtlich nicht ernst genommen oder nicht verstanden worden.

Selbst die Opposition, bestehend aus der Partei Luzifers, sieht sich, trotz ihrer enormen regionalen Erfolge, wie zum Beispiel ihrer souverän gewonnenen Wahlen in die Lokalregierungen der Menschheit, nicht imstande dieses Universum regieren zu können oder zu wollen. Der Parteivorsitzende Satan begründete diese fundamentale Entscheidung mit der massiven Debatte um seinen persönlichen Führungsstil und seiner ideologischen Ausrichtung, welche im 20. Jahrhunderts menschlicher Zeitrechnung, ihren Höhepunkt erreichte und seit dem nicht mehr enden will.

"Die Unterstellungen, ich habe einen gesetzwidrigen Einsatz der  infernalen Heerscharen, zur Sicherung von Eigeninteressen und des versuchten Putchversuches auf der Erde, nicht nur befürwortet - sondern den selbigen auch angeführt - entbehrt jedeweder Grundlage und Rechtfertigung. Das lässt den notwendigen Respekt vor meiner Person, der höllischen Opposition und ihrem Programm vermissen. So ein Universum will ich nicht regieren !" erklärte der Parteivorsitzende vor allen Anwesenden, bevor er die kosmische Halle des Universums verließ.

Nun steht das Universum am Scheideweg.

Bis zu einer außerordentlichen Ratsversammlung in diesem Jahrhundert, wird die alte Regierung die Führung der Existenz kommissarisch weiterführen, findet sich bis dahin aber keine Alternative, muss eine Notregierung bestimmt werden.

Schlimmstenfalls droht dem Universum die Auflösung.

Die vom Wind verwehte Titanic des Ben Hur

"There are a lot of great movies that have won the Academy Award, and a lot of great movies that haven't. You just do the best you can." 
Clint Eastwood

Der begehrteste Würdigung des modernen Filmschaffens wird vergeben von der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences", bestehend aus einem 34,29 cm großen und massiven Nickel-Kupfer-Silber-Körper, überzogen mit einer hauchdünnen 24-karätigen Goldhaut und mit einem Gewicht von 3,85 kg.

Der materielle Wert beläuft sich auf circa 300 Dollar.

Der finanzielle Mehrwert den allein eine Nominierung jedoch mit sich bringt, befindet sich bei zehn bis zwanzig Prozent.

Der durchschnittliche Träger der Auszeichnung "Bester Film" bringt es, allein in den in den USA, auf ein Einspielergebnis von 156.577.929 Dollar.

Für die Qualifikation gilt nur die Bedingung, dass der für eine Nominierung, -vorher seitens ausgewählter nationaler und internationaler Agenturen-, ausgewählte Film im Vorjahr der Verleihung mindestens sieben Tage lang in einem öffentlichen Kino im Gebiet von Los Angeles County, USA – dem Heimatbezirk von Hollywood – gegen Entgelt gezeigt wurde. Somit sind die "Acadamy Awards of Merit", in ihrem Kern, die grösste Werbung und gleichzeitige Selbstbeweihräuchung, die eine nationale Industrie je für sich selbst erfunden hat. Sie bilden, demonstrieren und zementieren die wirtschaftliche Überlegenheit des amerikanischen Filmwesens auf dem Weltmarkt.

Die Mehrheit der amerikanischen Filmschaffenden, ist dadurch dermassen auf diese epischen Werbefilme angewiesen und ihnen so ergeben sind, das sie das Jahr in Saisons teilen, in denen der Verleih eines Films, -so er denn als Kandidat gilt-,  drei, vier Monate vor der Verleihung an sich präsentiert werden muss, da die Akademie, ihre angeblich 5500 Mitglieder auf Lebenszeit verpflichtet und die Erinnerungsfähigkeit manches Gremiummitgliedes somit stark eingeschränkt ist.

Ab der Mitte der 1920er Jahre bewegte sich die US-amerikanische Filmindustrie jedoch in eine enorme wirtschaftliche Krise. Der behäbige Übergang zum Tonfilm und andere mediale Innovationen, wie das Radio, führten zu einem massiven Schwund von Kinogängern. Doch brodelte es auch im Inneren  gewaltig. Die enorm schnelle Bildung von Gewerkschaften anderer Industriezweige ab 1910,  führte dazu, dass die einfachen Arbeiter in der Filmindustrie von ihren Studios angemessen bezahlt werden wollten. Die Aufteilung in Künstler und Arbeiter, ließ die Armut und die fehlende finanzielle und künstlerischen Wertigung ihrer Arbeit zum Gesamtprodukt, zu offensichtlich erscheinen. So wurden in Form von stetigen und massiven Demonstrationen, -insbesondere für Drehbuchautoren- mehr Lohn und die Einführung geregelter und würdige Arbeitsverhältnisse gefordert. Louis B. Mayer, der Leiter der Metro-Goldwyn-Mayer-Studios, erwiderte auf diese Demonstrationen daraufhin mit dem Schauspieler Conrad Nagel -der 1933 die Schauspielgewerkschaft "Screen Actors Guild" gründen wird- und dem Regisseur Fred Niblo, eine manipulative Antwort, welche ab nun eine kontrollierte Steuerung der Interessenshaltung der Filmschaffenden gewährleisten sollte.

Man erfand ein Siegel, womit sich die gesamte Industrie ihrer eigenen Wichtigkeit versichern konnte.
Eine Auszeichnung, die jeden Kanditaten, allein als nominierten,pro-forma eine künstlerische Signalwirkung verleihen sollte.

1927 wurde ein Gala-Dinner veranstaltet, bei dem sich gewählte Filmgrößen trafen, um die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ zu gründen. Unter ihnen befanden sich Schauspieler, Regisseure und industrielle Institutionen, wie etwa die Warner Brothers Brothers Pictures Inc. - in Form der Gebrüder Jack und Harry Warner, Cecil B. DeMille, Raoul Walsh, Henry King, Frank Lloyd, Douglas Fairbanks, Mary Pickford und selbsvertständlich Louis B. Mayer.

Das erste offizielle Bankett der Akademie fand am 11. Mai 1927 statt.

1929 wurde der Preis dieser neuen "Akademie" zum ersten Mal vergeben.

Es gab sieben Kategorien: "Bester Film", "Bester Regisseur", "Bester Schauspieler" und "Beste Schauspielerin", "Beste Kamera", "Bestes Szenenbild", "Bestes adaptiertes Drehbuch" - die Kategorie "Bestes Original Drehbuch" gab es erst ab 1941.

Der erste Preisträger , der mit dem „Academy Award of Merit“ ausgezeichnet wurde, war der deutsche und auch hauptsächlich in Deutschland tätige Schauspieler Emil Jannings. Er erhielt ihn, Monate vorher, -in einer Hotellobby-, in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für seinen Auftritte in den Filmen "The Way of All Flesh" von Victor Fleming, 1927, und 1928 in "The Last Command" von Josef von Sternberg- , wobei vom Film "The Way of All Flesh" heute nur noch ein acht-ein-halb-minütiges Fragment existiert.

Katharine Hepburn, als Rekordhalterin im Schauspiel, wurde mit vier Auszeichnungen, als "Beste Hauptdarstellerin" versehen, ihr männlichen Kollegen Jack Nicholson und Walter Brennan vereinen mit je drei Auszeichnungen den Rekord auf sich.

Die Kostümbildnerin Edith Head wurde mit 35 Nominierungen und acht Auszeichnungen geehrt.

In der Geschichte dieser "Akademie" gelang es jedoch niemanden, mehr Auszeichnungen und Nominierungen auf sich zu konzentrieren als Walt Disney, der mit 22 Academy Awards- von denen er 20 zu Lebzeiten erhielt- und weiteren 59 Nominierungen, davon 22 in Folge- bedacht worden ist.

Nicht Orson Welles- drei mal nominiert und eine geteilte Trophäe für das Drehbuch.

Nicht Stanley Kubrick- dreizehn Nominierungen und eine Auszeichnung für die besten Spezialeffekt.

Nicht François Truffaut- zwei mal nominiert, keinen erhalten.

Das sind nur einige der Kandidaten.

Wir sprechen noch nicht von Alfred Hitchcock mit fünf Nominierungen und keinem Gewinn, Ingmar Bergman mit neun Nominierungen und keinen Gewinn oder von Federico Felllini-  mit ganzen zwölf Nominierungen und, selbstverständlich, keinen Gewinn.

1956- bis 1958, während der "McCarthy-Hexenjagd", wurden mehreren Filmschaffenden, wegen des Verdachts auf "kommunistische Umtriebe", die Erwähnungen vorgehalten und teilweise die bereits vergebenen Auszeichnungen wieder entzogen.

1971 weist George C. Scott, für sein grandioses Schauspiel in "Patton", als erster einen Oscar zurück - weil er "diesen eigennützigen Fleischaufmarsch " verachte und dabei dies schon 1961 in einem Interview geäußert hat.

Marlon Brando schickt 1973 eine junge Menschenrechtlerin und Schauspielerin vom Stamme der Apache, -namens Sacheen Littlefeather-, auf die Bühne, die stellvertretend für ihn den Preis für seine Titelrolle in "The Godfather" ablehnt und eine Erklärung über die Unterdrückung und unwürdige Behandlung der Indianer, als auch die ideologische Verleumdung durch Film und Fernsehen in den USA verlesen will, was jedoch abrupt von den Verantwortlichen beendet wird.

Anno 2007 ließ man 15.000 Menschen über die größten Fehlentscheidungen der Academy Awards abstimmen.

"Shakespeare in Love", der 1998 in sieben Kategorien ausgezeichnet worden ist - unter anderem als bester Film - wurde zu dem Film gewählt, der den Oscar in über 80 Jahren am wenigsten verdient hat.

Auf den unehrenhaften zweiten Platz landete das Musical "Chicago".

Last but not least belegt den dritten Platz die "Titanic".

Es ist offensichtlich müssig über den künstlerischen Charakter einer Auszeichnung zu sprechen, der sich zu seinem grössten Teil der Manipulation der eigenen Industrie verschrieben hat und absolut keiner rein ideellen Ausrichtung verschrieben ist. Es ensteht das Phänomen das die, in einer epischen Kommerzialität angelegten Shows, an sich, des öfteren künstlerisch wertvoller sind als die ausgezeichneten Filme. Alleine das legt dar, in welchem wirtschaftlichen Beziehungsverhältnis die "Academy" zu ihrer Kunstform steht.

Jedoch mag es nun dahingestellt sein, wer die besten Filme macht, wo und wann sie entstehen.

Bei einem einzigen Preis ist die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" unerhört idealistisch.

Der "Academy Award" für den besten fremdsprachigen Film geht an den Film selbst.

Nicht an den Produzenten und schon gar nicht an den Regisseur.

Der Regisseur nimmt die Trophäe lediglich stellvertretend für den Film entgegen.

Und somit irgendwie auch für die, vielleicht, über eine Milliarde Zuschauer in aller Welt.

Das Prinzip

"Mit der Tugend verzichtet man auf Macht, verliert den Willen zur Macht."  
Friedrich Nietzsche

Im 16.Jahrhundert wurde in Europa ein Meilenstein, auf dem Weg in die Menschenbildung und Machtstruktur der Weltgesellschaft- und Weltpolitik, der historischen und gegenwärtigen Moderne gesetzt. 


Bei diesem Meilenstein handelte es sich nicht um eine große Schlacht, gar einen Krieg oder ein ähnliches Ereignis äußerer Geschichte. 

Es handelt sich um ein geistiges Produkt. 

Eine geheime Schrift, die ab dem Zeitpunkt ihrer Bekanntwerdung, den äußeren Geschichtsverlauf vielleicht konkreter befruchtete als jedwede andere -reine- Ideologie vorher.

Niccolò Macchiavelli war ein Politiker, Diplomat und Philosoph im Florenz der Renaissance und stand in enger Beziehung mit dem Herrschergeschlecht der Medici, aus dem zahlreiche Fürsten und mehrere Päpste hervorgingen. Einem dieser Fürsten, Lorenzo de Medici, überreichte Machiavelli, anno 1513, eine- ihm gewidmete- Schrift mit dem Titel "Il Principe",-Der Fürst-, die erst fünf Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde und in dem Machiavelli beschreibt, wie ein Herrscher politische Macht gewinnen und bewahren kann, wobei das politische Ziel eine Republik sein soll. Die Erhaltung und Machtsteigerung dieses Staates sei jedoch so zentral, dass Machiavelli den Fürsten vom Zwang, nach ethischen Normen zu handeln, befreien wollte. 

Obwohl er den Begriff noch nicht verwendete, begründete Machiavelli damit den philosophischen Gedanken der realpolitischen Staatsräson. 

In Machiavellis Auffassung verläuft die Geschichte zyklisch. Zunächst befindet sich eine Gesellschaft in Anarchie oder einer tiefen Krise. Diese wird durch die Herrschaftserrichtung eines Anführers überwunden, welcher dann feste Institutionen schafft. In einem weiteren Schritt konsolidiert er dieses politische Gebilde, doch um ihm Festigkeit zu verleihen, muss es in eine republikanische Form gebracht werden. Sobald sich die Bürger mit diesem Gemeinwesen identifiziert hätten, wäre der Zenit der „Entwicklung“ erreicht: der „Abstieg“ -durch den „Verfall der Sitten“ einsetzend- müsse dann früher oder später beginnen. Anfangs bei den herrschenden Schichten- und mündet, mit dem „Verfall der Institutionen“ , in sein vorläufiges Ende: einer tiefen Krise oder gar in Anarchie.

Machiavelli brach so radikal mit der Tradition der christlichen Staatstheorie.
Er antizipierte die Heraufkunft oder die Wiederkehr einer rein säkularen Welt, deren Prinzipien sich von den Geboten der Kirche emanzipieren und abwenden. Er lehnte die auf das Jenseits fixierte Ethik des Mittelalters ab und griff statt dessen auf die antike Vorstellung zurück, wonach der Staat einen Wert für die Bürger haben soll - gleichzeitig ersetzt jedoch in dieser Schrift das abstrakt herrschende Bild des humanistischen universalen Menschen der Antike, der von Natur aus über Würde, Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit verfügt über den Ur-Sündigen Knecht Gottes.

Er individualisierte die Menschen, indem er- für sich- die Feststellung machte, dass jeder einzelne Mensch spezielle Bedürfnisse und Verlangen habe. 

Die treibende Kraft sei ihre Ambition, ihre politische Energie, ihr egozentrisch ausgeprägten Tatendrang- ihre, um mit Machiavelli zu sprechen, „virtù“, zu deutsch etwa die "Tüchtigkeit" oder "Tapferkeit".

Aus diesem Grund, seien die Menschen nicht von Natur aus "Gut" oder "Böse", sondern werden es lediglich durch die Art und Weise, wie sie ihre Ambitionen verfolgen. 

Das grundlegende Gefühl, welchen man jedem Menschen jedoch gegenüber bringen solle, sei Misstrauen, da die meisten von ihnen zum Bösen tendieren, denn in erster Linie seien die Menschen immer „undankbar“, - selbst gegen ihre „Wohltäter“, und lediglich ein "gewisses Ehrgefühl“ halte sie davon ab, ihren "Wohltätern" zu schaden. „Denn es ist wohl festzustellen, dass die Menschen entweder gütlich behandelt oder vernichtet werden müssen. Wegen geringer Unbill rächen sie sich, wegen großer Vermögen sie es nicht; jede Unbill muss also so zugefügt werden, dass man keine Rache zu befürchten hat“, rät Machiavelli in seinem Werk. 

Dieses Werk offenbart aber auch das Dilemma eines Machtmenschen, der in einer Welt regieren will, die bereits bedeckt ist mit unzähligen anderen machtgetriebenen "Fürsten".

Um ein "guter" Herrscher zu sein, führt Machiavelli aus, bedarf es zweierlei Charakteristika, die er an der Tierwelt festmacht: Der Fürst muss den Löwen und den Fuchs verinnerlicht haben. Einerseits den Fuchs als Symbol für die Klugheit und List, die benötigt wird, um immer das Beste für sich selbst herauszuschlagen, auch wenn dafür ein gegebenes Wort oder ein Vertrag gebrochen werden muss, sowie andererseits den Löwen als Symbol für die Abschreckung und Einschüchterung, die von dem Herrscher ausgehen soll. 
Denn noch besser als geliebt zu werden ist es laut Machiavelli, gefürchtet zu werden.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche Interpretationen dieser Ideologie – von Bertrand Russells Charakterisierung des im Werke dargestellten „Fürsten“ als „Handbuch für Verbrecher“, über eine marxistische Interpretation als „adelige Dialektik der Macht“ bis hin zur feministischen Lesart als „Politdrama zwischen maskulinen Geschäften der Politik und der schwankenden Macht der Fortuna“.

Wie auch immer die Lesart ausfallen sollte - es zeigt sich, dass für Moral, Skrupel oder gar Ethik, in einem machiavellistisch-geprägtem Weltbildes- wie bei dem aktuell herrschenden- kein geigneter Raum besteht.

Nie war seine Lektüre jedoch gefährlicher als heute.
„Nationen, die man unterworfen hat, muss man entweder glücklich machen oder vernichten.“
Kein guter Rat für "Fürsten" mit Wasserstoffbomben. 

Geliebte Veränderung

Die Konflikte, Widersprüche und Ängste unserer Zeit, die uns an den Rändern der Bewusstheit wandeln lassen, müssen immer wieder auf einer höheren Ebene neu gefühlt, neu geordnet und neu gedacht werden.

Sie müssen verändert werden.

Die meiste Zeit jedoch essen, arbeiten, hoffen, planen und lieben wir und das alles, lediglich mit einem minimalem Wunsch und Willen nach Veränderung. Ja wir dulden gar keine Veränderung, unserer Situation, denn unsere Reflektion bezieht sich nicht auf eine potentielle Veränderung der Situation, sondern lediglich auf Bestätigung derselbigen. 

Es gibt in der modernen Psychologie allgemein drei grundlegende Methoden, um in unserem Geist eine Veränderung hervorzurufen, sobald wir eine neue und möglicherweise widersprüchliche Information erhalten.

Die einfachste und begrenzteste, ist "Veränderung durch Ausnahme". Unser altes Glaubenssystem bleibt intakt, aber es lässt Unregelmässigkeiten zu und beweist eine gewisse Toleranz gegenüber Widersprüchen. 

Die zweite und komplexere, ist "Veränderung durch Zuwachs", die progressiv Schritt für Schritt verläuft und einen grosse Zeitspanne umfasst. Hierbei bemerkt der sich Verändernde, seine eigene Veränderung nicht, da sie ihm gegenwärtig ist und nie einen Umbruch darstellt. 

Die dritte Methode im Bunde ist die sogenannte "Pegelveränderung", die das Aufgeben eines geschlossenen und sicheren Systems zugunsten eines anderen beinhaltet.

Die Veränderung durch Ausnahme, die Veränderung durch Zuwachs und die Pegelveränderung, schrecken somit vor der eigentlichen geistigen Transformation zurück.

Was wir nun benötigen, ist eine vierte Dimension der Veränderung.

Ein wahrer Wechsel.

Eine neue Perspektive auf die Veränderung an sich. Die Einsicht die es der Information gestattet, sich in einer neuen Form oder Struktur zu verbinden.

Kein Entweder Oder. 

Kein Dies oder Das. 

Kein Glück. Kein Zufall.

Die Veränderung verändert sich selbst.

Bei dieser Veränderung erkennen wir, dass unsere bisherigen Ansichten, weder richtig noch falsch, sondern beides und zusammen nur einen Teil des Bildes ausmachen. Das was wir jetzt wissen, ist nur ein Teil von dem Teil, welchen wir später wissen. So führt individuelle Evolution zu kollektiver Veränderung. Rollenverhalten, Beziehungen, Institutionen und alte Ideen werden neu untersucht, neu formuliert und neu gestaltet. Eine neue Form der Gesellschaft. Eine Gesellschaft die uns nicht nur bei der Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse hilft, sondern in uns eine tieferliegende Unzufriedenheit, ein tieferes Verlangen weckt, durch das wir imstande sind ein höheres Bewusstsein zu erlangen.

Das Fremde ist keine Bedrohung. Das Andere ist keine Bedrohung. Die Veränderung ist keine Bedrohung. 

Jedes neue Ereignis ändert die Natur jener die folgen werden.

Die Synthese baut auf der Synthese auf.

Wir befinden uns am Rande unserer Welt, starr vor Angst und Verzagen.

Wahre Erleuchtung liegt darin, mit lebendigen Augen auf alles Dunkle zu blicken.

Wie die Liebe.